Reisebericht Nordirland 2018

Wanderwoche Nordirland 2018

Reisebericht von Carolin:

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Zur passenden Reise: Nordirland


Im Lauf der Jahre ist Donegal für mich so was wie eine zweite Heimat geworden. Der Norden Irlands hat
mich stets mehr angesprochen als der Süden, an einigen Ecken der vor mir liegenden Reise war ich
bereits mehr als einmal – dass es mich nun wieder hierher verschlägt, zeigt, wie gut mir dieser Landstrich
gefällt.

Unsere Gruppe trifft sich in Ballina, eine netter überschaubarer Ort am River Moy, der für seine Lachse
bekannt ist. Schon am Morgen geht es weiter nach Donegal, zum Ziel unserer ersten Wanderung.

Die Slieve Leagues gehören zu den höchsten Klippen in Europa, den Gipfel im Blick geht es bergauf, anfangs auf gut befestigten, fast schon „gepflasterten“ Wegen, aber irgendwann ist das „Ende der Ausbaustrecke“ erreicht und jeder muss sich seinen Weg über den steinigen, torfigen Untergrund mehr oder weniger selber suchen. Man entwickelt Bergziegen-Qualitäten…
Der höchste Punkt der Klippen liegt hinter dem One Man’s Pass – und verschwindet im Nebel. Zu riskant heute, vielleicht beim nächsten Mal.

Eine gemütliche Unterkunft finden wir im Nesbitt Arms Hotel in Ardara. Ein lebhafter kleiner Ort mit
einigen Pubs, der nächste – „The Corner House“ – liegt wie der Name schon sagt, gleich um die Ecke,
natürlich standesgemäß mit Live-Musik.

Tags drauf geht´s übers Moor. Eine nasse Angelegenheit, mal nass von oben, mal nass von unten. Wenn
die Wolken sich mal lichten, hat man einen Ausblick auf das Tagesziel, den Strand von Maghera. Davor
führt der Weg durch ein weites grünes Tal, ein paar Schafe, ein paar Ruinen, einsam, irgendwie so wie
man sich Irland vorstellt.

Der Strand von Maghera mit seinem feinen weißen Sand ist weit und vergleichsweise menschenleer. Das
Meer ist nordisch kalt, aber wenigstens mit den Füßen einmal in die Wellen – das muss sein.

Im Nationalpark von Glenveagh bin ich schon einige Male gewesen, oft mit Regen, dieses Mal hab` ich
Glück.

Die alten Bäume haben etwas archaisches, die Steine und Wurzeln, mit Moos überzogen, wirken wie verzaubert. Irgendwo da drinnen leben Kobolde, da bin ich mir ganz sicher… Ob Kobolde in der wechselvollen Geschichte des Glenveagh Castle ihre Finger im Spiel hatten, weiß ich nicht. Die Gärten lohnen den Besuch auf jeden Fall.

Die Wanderung führt uns weiter zur Glebe House Gallery. Einst das Zuhause des Malers Derek Hill und -- ja, und keine Ahnung,
wer hier wohnt...

 

Unser nächstes Ziel ist Buncrana. Direkt am Meer. Unser Guide Nico verspricht uns allerlei Meeresgetier,
angeblich soll man hier sogar Wale sichten können.

Wir halten Ausschau. Und haben Glück. Obwohl – ich hab‘ mir die Viecher etwas anders vorgestellt…

Die Halbinsel Inishowen wirbt mit dem nördlichsten Punkt Irlands. Eine schroffe wilde Küste, so beeindruckend,
dass bereits Hollywood vorbeigeschaut hat und einige Szenen für Star Wars hier gedreht hat.

Ja, doch, kann ich irgendwie verstehen. Die eigentliche Wanderung des Tages führt wieder mal übers Moor, dieses Mal aber trockener als beim letzten Mal. Das Gap of Mamore bietet blühendes Heidekraut und einen weiten Ausblick über Donegals Nordküste.

Nach dem Abendessen verabreicht uns Nico einen Crash-Kurs in Whisk(e)y-Kunde, klärt uns auf über die Unterschiede zwischen irischem und schottischem Whisk(e)y, über Single Malt und Blended Whisk(e)y und zweifach oder dreifach gebranntem Whisk(e)y. Und damit es nicht bei einer Trockenübung bleibt, hat er drei Flaschen als Anschauungsmaterial mitgebracht. Sláinte!

 

Am nächsten Tag geht es nach Nordirland. Derry steht auf dem Programm. Nicht mein erster Besuch in
der Stadt.

Nach dem Stadtrundgang habe ich mir für dieses Mal das Museum of Free Derry vorgenommen, das sich im Wesentlichen mit den Ereignissen des „Bloody Sunday“ am 30. Januar 1972 befasst. Ich fand es sehr beeindruckend und kann es jedem empfehlen, der sich für die Geschichte Nordirlands interessiert.

Wir beziehen unsere nächste Unterkunft im Causeway Hotel direkt an der berühmten Küste.
Die Wanderung am folgenden Tag führt uns entlang der Klippen. Hinter jeder Biegung lauert eine neue Aussicht. Schwindelerregende Abgründe, grünes Hinterland oder ein weiter Blick über den Atlantik bis hinüber an die schottische Küste. Hier wegelagernde Schafe, dort heulende Seehunde. Das Wetter zieht an diesem Tag alle Register – mal Regen, mal Sonne, und auch ein Regenbogen ist im Angebot.

Später am Tag bleibt noch Zeit, die Wanderung etwas zu verlängern. Der Strand von Runkerry lädt zum Baden ein, aber das Wasser ist zu kalt. Schön ist’s trotzdem, eine weite Bucht mit Dünen und Brandung.

Am Abend nutzen wir die einmalige Gelegenheit, die unser Hotel bietet. Dann, wenn die Horden der Tagestouristen den Giant‘s Causeway verlassen haben, haben wir diese eigenartigen Basaltsäulen fast für uns alleine. Dazu ein schöner Sonnenuntergang, ein perfekter Tagesabschluss.
Nach einem kleinen Spaziergang durch den Glenariff Forest Park erreichen wir Belfast. Nico bietet zur Orientierung einen Stadtrundgang an, so dass wir am nächsten Tag für eigene Unternehmungen in der Stadt bestens vorbereitet sind. Belfast ist eine bunte Mischung aus Alt und Neu. Hier die alten historischen Gebäude, dort die neuen hippen Quartiere, besonders am Hafen, wo das Titanic-Museum alle Blicke auf sich zieht und die Besucher anlockt. Es ist ein „Event-Museum“, der Eintritt nicht billig, aber man bekommt was geboten für sein Geld, und es lohnt sich allemal.
Einige entscheiden sich, eine Taxi-Tour mit einem Black Cab zu machen, dessen Fahrer seine Gäste auf eine Tour durch die katholischen und protestantischen Viertel der Stadt mitnimmt und auf diese Weise anschaulich die Geschichte der Stadt vermittelt. Andere treffe ich im St. George’s Market, einer historischen Markthalle, wo man an verschiedenen Ständen Kleinigkeiten essen oder allerlei Krimskrams kaufen kann.

 

Auch der Botanische Garten der Universität mit seinem Park und den alten Gewächshäusern ist einen Abstecher wert. Newcastle, ein Badeort an der Irischen See, ist das letzte Ziel unserer Reise. Mit dem Slieve Donard wartet in den Mourne Mountains der mit rund 850 Metern höchste Berg Nordirlands, der von uns bezwungen werden will.

Am Startpunkt der Wanderung, der Bloody Bridge, wirkt alles sehr entspannt. Interessant wird es erst, als wir die Mourne Wall erreichen, eine etwa 35 km lange Mauer, die vor mehr als hundert Jahren errichtet wurde, um ein paar Stauseen als Trinkwasserreservoir vor dem Weidevieh zu
schützen. Die Mauer dient uns als Orientierung – da geht’s rauf… Nach einem steilen Aufstieg entschädigt der Blick für alle Mühen. Die Irische See auf der einen Seite, die Berge auf der anderen, das hat schon was. Ein schöner Abschluss für eine tolle Wanderreise und dank Guide Nico
gab’s auch für mich viele neue Eindrücke.

 

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