Highländer Reisen

Corona: Was machen eigentlich...

Reiseleiter/-innen während der Pandemie? (Teil 2) 


Nicht nur die TUI und die Lufthansa sind von der Coronakrise stark in Mitleidenschaft gezogen. „Schon klar“, ruft einem jetzt möglichweise die innere Stimme zu. Ja, auch die kleinen Zahnräder im System „Tourismus“ - nicht weniger wichtig - haben während Corona schwer zu kämpfen. Dazu gehören beispielsweise unsere Reiseleiter/-innen. Nicht wenige von Ihnen verdienen Ihren Lebensunterhalt damit, dass Sie unsere Highländer Gäste vor Ort begleiten, begeistern, unterhalten, sich kümmern und Wünsche in Erfüllung gehen lassen. All dies tun Sie mit großer Leidenschaft, - sofern Sie denn dürfen. Wir haben einmal nachgefragt, wie Sie mit in der Pandemie zurechtkommen und was Sie tun, um sich in dieser existenzbedrohenden Situation über Wasser zu halten.

Diesmal bekommen wir spannende Einbicke von Highländer Reiseleiterin Céline Lalubie. Von Ihrer ersten Reise an fühlte sich Céline in den weiten Landschaften Norwegens sowohl verzaubert als auch heimisch. Céline kommt aus der Normandie und zog gleich nach der Schule an die Ostsee, um Geographie zu studieren und zu bleiben. Seit diesen jungen Jahren erkundet sie Norwegen meist zu Fuß, aber auch auf Skiern, mit dem Segelboot oder Fahrrad. Seit 2009 lebt sie die meiste Zeit des Jahres in Tromsø. Im hohen Norden kennt sie sich bestens aus und liebt es in jeder Jahreszeit „in den Elementen zu baden“. Ihren Gästen bringt Céline Norwegens wilde Landschaften, den besonderen Jahresrhythmus sowie die ungewöhnlichen Lichtverhältnisse des hohen Nordens gerne näher - wenn sie nicht gerade von Pandemien oder anderen außergewöhnlichen Umständen daran gehindert wird.  


"Reiseleitung im Homeoffice? Noch ist es ok..."

von Céline Lalubie


Nach vielen Sommern und Wintern zwischen verschneiten Gipfeln und steilen, steinigen Fjorden hat diese unverhoffte, entschleunigte und ortsfeste Sommerzeit im Grünen an der Ostsee seltenheitswert!

Viiiiel Zeit und noch kein Abflugtermin im Kalender! Ich finde, ich sollte nicht zu früh und auch nicht zu laut klagen. Sommer für Sommer habe ich mit einem oder zwei weinenden Augen meinen schönen Garten Ende Mai verlassen müssen, um meiner Arbeit in den schönen aber kühlen und meist kargen Gefilden des Nordens nachzugehen. Nach 12 „verpassten“ Gartensommern

im Warmen ist es erstmal nicht ganz so schlimm, auf die Weite und das Licht des Hohen Nordens, auf die Tundra oder auf Hotels zu verzichten.


Vielmehr erlebe ich diese Zeit, als fiele mir plötzlich ein Geschenk vom Himmel: jeden Tag zugucken, wie der Garten sein Blütenkleid entfaltet, und seine Insektensymphonie lauschen. Bei bestem Wetter und viel Zeit lässt es sich auch sehr in den grünen Seen schwimmen, Lieblings-Ostseestrände besuchen und im grünen Licht der hohen Buchenwälder wandern. Und: fast jeden Tag ein Sommerkleid anziehen, welch‘ ein Luxus!


Ja... nein... selbst bei der schwierigen Lage und allen Einschränkungen möchte ich nicht zu früh klagen. Bald wird dieser Juni zu Ende gehen und die Unsicherheit wieder tiefer nagen: die Unmöglichkeit zu planen und die drohende Pleite sind meine Realität und die praktisch aller meiner „Ganzjahr-KollegInnen“.


Die Sommersaison ist in Norwegen sehr kurz. Was ist, wenn Norwegen stur bleibt und seine Grenzen nicht für deutsche Touristen vor Ende der dortigen Schulferien am 20. August öffnet und 80% meines Sommereinkommen verloren geht? Was ist, wenn im nächsten Winter eine zweite Viruswelle rollt und mein gesamte Jahreseinkommen einbricht? Finanzielle Hilfe für die Solo-Selbständigen gibt es nur als Betriebskosten, nicht für deren Lebensunterhalt. HartzIV würde also gleich drohen. Mich ärgert derzeit am meisten, dass derzeit offenbar die konkrete Chance zur Verbesserung, Modernisierung und Anpassung des Tourismus verpasst wird: bisher sind mir weder auf EU-Ebene, noch in Deutschland, noch in Norwegen Überlegungen bekannt, bei denen kleine, meist regional begrenzte Wander-Gruppen à la Highländer nicht pauschal unter dem Begriff „Tourismus“ im gleichen Pott schmissen werden wie z.B. die monstruösen Kreuzfahrtschiffe oder die viel zu zahlreichen vollgestopften Bussen „Norwegen-lang-in-nur-10-Tagen“. Im 21. Jh. und bei immer noch reifender Umwelt- und Klimakrise würde ich es mir anders wünschen.


Immerhin macht Dänemark einen ersten Versuch: mindestens 6 Übernachtungen müssen vor Einreise gebucht werden. Norwegische Touristen machen in ihrem langen, weiten Land nur einen sehr geringen Teil der Touristenströme aus. Trotzdem hat Norwegen in den letzten Monaten bei seiner kleinen Bevölkerung (5 Millionen!) auf mitunter aggressiver Weise für „Ferien in Norwegen“ geworben: „diesen Sommer und nächsten Sommer auch!“ heißt die Devise. So schütteln meine KollegInnen in Tromsø und ich doch ungläubig den Kopf… Wir vermuten eher, dass viele die Gelegenheit nutzen werden, ihre beliebten Ferienhäuser zu renovieren und das Angeln oder das Wandern intensiver als sonst zu frönen. Also „ferie på hytta“ dürfte für wohlhabende Norweger eher die Regel werden als Tourismus im klassischen Sinne.


Es wird sicherlich noch lange dauern, bis asiatische Touristen in großer Zahl wieder nach Europa/Norwegen reisen dürfen/können. Auch deshalb sind die Zeiten günstig, um neue, schonendere Formen und Regelungen auszuprobieren.

In diesen Tagen wäre für Guides und Gäste am wichtigsten, dass Norwegens Behörden zu verstehen geben, dass sie Kenntnis von den Buchungs- und Stornierungsfristen genommen haben und ihre Entscheidungen anzupassen wissen.

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