Irland Kerry

10 Paar Wanderschuhe auf dem Weg durch Kerry

(Ein Reisebericht von daclue / Landlinien)                                                          >> zurück zur Übersicht
 

Hinweisschild Kerry Way, Foto: daclue


Bereits einige Jahre bin ich nach Irland gereist, doch habe ich die grüne Insel erst in diesem Jahr als „mein“ perfektes Wanderziel entdeckt. Anfang Juni erkundete ich auf eigene Faust die Wicklow Mountains und wanderte einen Teil auf dem Wicklow Way. Seither wurde meine Reiselust entfacht und die Neugier auf weitere Wanderwege in Irland geweckt. Mit dem Kerry Way und dem Dingle Way liebäugelte ich schon bei den Vorbereitungen meiner ersten Wandertour. Doch angesichts von begrenzter Urlaubszeit, musste der nächste Wanderurlaub erst einmal warten. Dachte ich. Denn manchmal werden Träume schneller erfüllt als man denkt. Anfang September sollte es noch einmal für mich auf die grüne Insel gehen, diesmal zum Wandern ins südliche Kerry.

Gedanken vor der Reise

Neben der Möglichkeit ein zweites Mal in diesem Jahr in Irland wandern zu gehen, hat mich zu dieser Reise vor allem die Neugier motiviert, den Unterschied zwischen selbstbestimmter Individualreise und organisierter Gruppenreise herauszufinden. Bisher war ich es auf meinen Wandertouren – ob auf dem Jakobsweg, in Südengland oder im heimischen bergischen Land – gewohnt, alles alleine zu organisieren und umzusetzen. Angefangen von der Ausarbeitung der Wanderroute, über das Buchen der Unterkünfte bis zur Recherche von Einkaufsmöglichkeiten und Busverbindungen. Auf den Wanderwegen selber konnte ich mich immer mit einem hohen Maß an Freiheit bewegen und musste auf niemanden Rücksicht nehmen, lediglich auf mich selbst. Allerdings erlebte ich die meisten Momente oft alleine und konnte sie erst nach meiner Heimreise mit Freunden und Familie teilen. Was würde ich also als angenehmer empfinden: selbstbestimmt alleine oder gemeinsam in der Gruppe? Könnte es auch mal schön sein, sich nicht um alles kümmern zu müssen?

Die Region Kerry kannte ich bisher nur flüchtig und aus dem Auto heraus. So verbrachte ich hier – schon einige Jahre her – eine knappe Woche zusammen mit meinen Eltern, woran ich mich im Nachhinein nur schwach erinnern kann. Im Kopf ist mir lediglich die Erinnerung geblieben, dass die Halbinseln Kerry und Dingle landschaftlich zwar wunderschön, aber touristisch stark frequentiert waren. Bilder von vollbesetzen Bussen, die sich den „Ring of Kerry“ entlang quetschten und ihre Fahrgäste nur kurz an Parkplätzen entließen, hatte ich abgespeichert. Wie würde es sein Kerry nur mit den Wanderschuhen zu erkunden und der gewohnten Straße den Rücken zu zeigen? Würde ich hier ähnliche Stille und Einsamkeit finden wie in den Wicklow Mountains?

Am 31. August starten wir als 10-köpfige Gruppe gemeinsam am Dublin Airport, wo uns unser Reiseleiter Thomas trifft und per Bus nach Killarney in Kerry begleitet. Die An- und Abreise kann jeder individuell gestalten, so dass genug Freiraum für weiteres Reisen – wie z.B. ein Städtetrip in Dublin oder eine weitere Woche mit Highländer-Reisen – bleibt. Die Grafschaft Kerry liegt im äußersten Süd-Westen Irlands und umfasst unter anderem die beiden Halbinseln Kerry und Dingle. Dank des feucht-milden Klimas und des warmen Golfstroms gedeihen hier Flora und Fauna prächtig, teilweise ähnlich wie im Süden Europas. Die Küstenlage, als auch vielzählige Berge, machen Kerry zu einem der vielseitigsten Landstriche Irlands. Kein Wunder, dass hier direkt zwei Fernwanderwege ausgebaut wurden: der Kerry Way (214 km) und der Dingle Way (162 km). Auf einem Teil des Kerry Ways werden wir immer wieder bei unserer Reise wandern.

Kleeblätter, Foto: daclue

1. Tag: Wanderung durch den Killarney Nationalpark

Highlights: Killarney, Killarney Nationalpark, Muckross House, Torc Waterfall, Muckross Lake, Victoria House Hotel

Am ersten Tag unserer Tour starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück – dank Porridge auch vegetariergeeignet – direkt vom Victoria House Hotel aus Richtung Killarney Nationalpark. Bei der angrenzenden Tankstelle samt Shop können wir unsere Wasserrationen auffüllen und ein Lunch für den Mittag einkaufen. Gleich am Anfang begleitet uns ein gut gelaunter Hund fast bis zum Ufer des Lough Leane, von wo aus wir abseits von Autos und Kutschen Richtung Muckross House laufen. Kleinere Buchten eröffnen uns immer wieder erste Blicke auf die Berge des Nationalparks. Auf einer imposanten Allee laufen wir direkt auf das Muckross House zu, welches erhaben vor dem gleichnamigen See thront. Diesen werden wir zunächst auf etwa 12 km umrunden, bevor wir hierher zurückkehren und das Herrenhaus von innen besichtigen. Der Rundweg führt am Anfang hoch zum Torc Wasserfall, der uns eine hervorragende Kulisse zum fotografieren bietet. Nach einer ausgiebigen Fotosession geht es weiter hoch, bis wir von oben über die beiden Seen blicken können, an deren Ufer wir vorhin noch gestanden haben. Der Wanderweg ist sehr gut ausgebaut, so dass man hier zügig und ohne viel nachzudenken an einem Stück laufen kann. Zwischen Wiesen und kleineren Wäldern macht sich der Geruch des Herbstes breit. Die Sonne steht tiefer als sonst, scheint aber immer noch so stark, dass wir Regenjacke und Pulli ablegen können. Etwa auf der Hälfte des Weges überqueren wir die romantisch gelegene Old Weir Bridge. Auch hier nehmen wir uns ausgiebig Zeit für Fotos, bevor wir uns im angrenzenden Dinis Cottage für unsere Mittagspause niederlassen. Fast wie in einem Irrgarten sitzt man hier verwinkelt in lauschigen Eckchen, so dass sich weitere Wanderer und Touristen, die hier ebenfalls unterwegs sind, gut verteilen. Gerne würden wir hier noch länger verweilen und einfach in der Sonne faulenzen, doch drängt ein wenig die Zeit, wollen wir doch noch das Muckross House besichtigen. Entsprechend zügig wandern wir die 2. Hälfte des Rundweges zurück, vorbei an der Brickeen Bridge bis zum Herrenhaus, das wir pünktlich zur letzten Führung um 16.40 Uhr erreichen. Durch die Räume des Herrenhauses aus dem 19. Jahrhundert weht ein Hauch von Geschichte und irischem Adel. Eines der wichtigsten Ereignisse war der Besuch Queen Victorias im Jahr 1861, für die ein Teil des Muckross House extra umgebaut wurde. Ganz so opulent werden wir in unserer Unterkunft natürlich nicht empfangen, wobei das Dinner recht fürstlich ist. Die Anstrengung der Wanderung ist uns allen anzumerken. Wir schweigen allesamt so auffällig, dass sogar die Bedienung sich wundert und unseren Reiseleiter fragt, was er mit uns angestellt hat.

Muckross House, Foto: daclue
Blick auf den Upper Lake, Foto: daclue
Boot auf dem Upper Lake, Foto: daclue

2. Tag: Torc Mountain & Bootsfahrt über die 3 Seen

Highlights: Killarney Nationalpark, Torc Mountain, Upperlake, Muckross Lake, Lough Leane, Ross Castle

Auf den Wunsch der Gruppe hin, ändert Reiseleiter Thomas die heutige Tour von Gap of Dunloe ab auf wandern durch den Killarney Nationalpark samt Aufstieg zum Torc Mountain (540 m). Nach einem Bustransfer, der uns oberhalb des Torc Wasserfalls absetzt, wandern wir durch verwunschene Eichenwälder und Mooshügel bis zum Fuß des Torc Mountain. Bevor wir unseren Weg auf der alten Kenmare Road – der ursprünglichen Verbindung von Killarney und Kenmare im Süden – fortsetzen, geht es rauf auf den Torc Mountain. Im Zick-Zack schlängt sich der Weg hoch über Schotterwege, Bohlen und Steintreppen. In der Gruppe läuft es sich hier nicht ganz so flüssig wie auf ebener Fläche, so kommt es immer mal wieder zu einem kleineren „Stau“. Je weiter wir nach oben steigen, desto größer wird meine Freude. Ich fühle mich an die Wicklow Mountains erinnert. Oben angekommen setze ich mich schnell – nach einem kurzen Freudensprung – hin, so kräftig bläst der Wind. Leider versperrt uns dichter Nebel jegliche Sicht auf die Seen im Tal, so dass jetzt nur noch Schokolade Trost spenden kann. Gestärkt geht es wieder runter, weiter auf unserem Weg durch Farne, Gräser und Eichenwälder, bis zu einem kleinen Wasserfall, an dem wir eine längere Pause einlegen. Ab der Kreuzung, an der die alte Kenmare Road auf den Kerry Way trifft, macht sich vor uns ein weites Tal breit. Das Grün scheint mir hier satter zu sein als anderswo, und auch der Farn wächst wahllos aus den Bäumen heraus.  Die Äste der vermoosten Eichenwälder wirken zum Teil so mystisch wie Figuren aus einem Märchen. Immer wieder bleiben wir stehen und versuchen diese Momente mit der Kamera einzufangen. Man könnte meinen hier durch eine Filmkulisse von „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“ zu laufen. Bei Lord Brandon’s Cottage und am westlichen Ufer des Upper Lake angekommen, warten wir bei Kaffee und Kuchen auf unser Boot, das uns den ganzen Weg bis nach Killarney zurückbringen soll. Die Bootsfahrt ist eine Wohltat! Glücklich darüber keinen Meter weiter laufen zu müssen, sitzen wir entsprechend entspannt auf den Holzbänken, den Blick hoch in die Berge gerichtet. Nur Boots-Hund Buddy scheint nicht müde zu sein: aufmerksam schlängelt er sich um uns rum, in der Hoffnung einen herabfallenden Keks zu finden. Abenteuerlich wird es als wir auf die Brücken rund um Dinis Cottage zusteuern, bei dem wir erst am Tag zuvor unsere Pause verbracht haben. Die niedrige Wasserstand, oder unser Gewicht, oder auch beides, lässt uns doch noch einmal aus dem Boot aussteigen, bevor wir wieder vollständig – und ohne den Boden zu berühren – bis zum Endziel schippern. Mit den Gedanken bereits beim Dinner und halb im Bett, rüttelt uns dann die Ansage unseres Reiseleiters wach: wir können nicht direkt am Ufer in der Nähe unseres Hotels anlegen, sondern müssen einen Umweg über das Ross Castle in Kauf nehmen. Sprich etwa eine Stunde Fußweg ontop. Nach fast 18 km Strecke samt Bergaufstieg ist entsprechend niemand wirklich begeistert, doch laufen wir alle brav weiter. Vielleicht liegt es an der Aussicht auf „wanderfrei“ am nächsten Tag.

Montbretien, Foto: daclue
Foto: daclue
Foto: daclue

3. Tag: Ausflug nach Dingle & Blasket Islands

Highlights: Dingle, Dingle Bay, Inch Beach, Dunquin, Blasket Island , Great Blasket, Slea Head Drive

Heute ist unser wanderfreier Tag! Zur Auswahl stehen mehrere Ausflugsideen in die nähere Umgebung. Aufgrund des blendenden Wetters entscheiden wir uns gemeinsam für eine Fahrt nach Dingle samt Schifffahrt zu den Blasket Islands. Das ist auch für Reiseleiter Thomas ein Highlight, so lässt das Wetter es nicht allzu oft zu die verlassene Insel besuchen zu können. Für die Tour chartern wir extra einen Bus, mit dem wir – recht abenteuerlich über Irlands kurvige Straßen – Richtung Dingle fahren. Zur Abwechslung ist es auch mal ganz schön die Landschaft vom Bus aus auf sich wirken zu lassen. Noch schöner ist unser erster Stopp auf Dingle, bei Inch Beach. Endlich Meer und Strand! Wie neugierige Kinder laufen wir den Wellen entgegen und verteilen uns für einen Moment – jeder für sich – über den Strand. Der strahlend blaue Himmel, das Rauschen des Meeres und die Berge von Kerry im Hintergrund machen diesen Ort so besonders. Bei unserem zweiten Stopp, Dingle Stadt, machen wir eine Stunde lang Pause, so dass sich jeder in Ruhe umschauen kann. Nach ausgiebigem Stöbern im Dingle Music Shop, stelle ich mir mein Lunch im Supermarkt zusammen und gönne mir zum Abschluss ein Eis bei Murphy´s. Das ist nicht nur unglaublich lecker, sondern auch mit ausschließlich regionalen und natürlichen Zutaten hergestellt. Sehr probierenswert: das Sea-Salt- und das Guinness-Eis. Als nächstes erwartet uns ein – für mich absolutes – Highlight unserer Tour: ein Besuch der Blasket Islands. Über den Slea Head Drive, vorbei an weiteren imposanten Buchten, erreichen wir Dunquin, von wo aus wir mit einer kleinen Fähre zu Great Blasket, der größten Insel der Blasket Islands, übersetzen werden. Etwas mulmig ist mir schon, als ich mir den Wellengang etwas genauer anschaue. Doch siegt die Neugier über die Angst, und schon sitzen wir nebeneinander in Schwimmwesten gepackt auf dem schaukelnden Boot, mitten im Atlantik. Nach der etwa 20-minütigen Überfahrt ist das Bootsabenteuer noch nicht ganz beendet: in 2 Gruppen geteilt müssen wir kurz vor dem Anlegesteg ins Schlauchboot wechseln, um an Land kommen zu können. Festen Boden unter den Füßen, mache ich innerlich erst mal drei Kreuze. Doch die schauklige Überfahrt hat sich mehr als gelohnt: die leuchtend grüne Insel ist umrahmt von klar türkisfarbenem Wasser. Nur das Grau der zerfallenen Steinhäuser und der weiße Sandstrand unterbrechen diese Farbenpracht. Den Spuren irischer Geschichte folgend, erkunden wir das verlassene Dorf, welches noch bis 1963 bevölkert war. Erst in jenem Jahr siedelten die Inselbewohner endgültig zum Festland über, nachdem einer ihrer jüngsten Einwohner – Anfang 20 – an den Folgen einer Gehirnhautentzündung starb. Lediglich der raue Seegang und die unterbrochene Funkverbindung zum Festland, hatten seine Rettung verhindert. Bis dahin lebte auf Great Blasket eine kleine Gemeinschaft, in einfachen, teilweise noch traditionellen Verhältnissen. Zeichen ihrer Zeit finden wir in Form ihrer zerfallenen Häuser und mit Gras überwachsenen Mauern, die die Felder von Vieh beschützen sollte. Schafe gibt es hier noch immer, sowie drei Esel, die sich in aller Ruhe fotografieren lassen. Der Strand von Great Blasket ist nicht nur traumhaft, sondern einzigartig: nah dem Ufer schwimmen etwa 20 Seelöwen, die ihre Köpfe neugierig aus dem Wasser strecken. Gerne würden wir uns das Naturschauspiel noch länger anschauen, doch drängt langsam die Zeit. Um 17 Uhr geht die letzte Fähre zurück zum Festland, und wer dann nicht pünktlich am Steg steht, der bleibt zurück. Basta. So wunderschön Great Blasket Island auch ist, in den Genuss einer Nacht im Freien möchte ich hier nicht unbedingt kommen.

Dingle, Foto: daclue
Katzen nahe Inch Beach, Foto: daclue
Per Schlauchboot nach Blasket Island, Foto: daclue
Verlassenes Haus auf Great Blasket, Foto: daclue
Murphy's Eiscreme, Foto: daclue
Inch Beach, Foto: daclue

4. Tag: Auf dem Bergkamm nach Waterville

Highlights: Post Office, River Inny, Waterville, Lough Currane, Butler Arms Hotel, Charlie Chaplin

Für den Rest unserer Reise verlassen wir an dem heutigen Tag Killarney und fahren Richtung Südspitze Kerrys. Während das Gepäck zu unserer nächsten Unterkunft – dem Butler Arms Hotel – in Waterville transportiert wird, wandern wir dem Städtchen auf einem Bergkamm entgegen. Unsere Tour beginnt mitten im Nirgendwo an einem verlassenen Post Office, an dem sich Einige unserer Gruppe tatsächlich trauen ihre Postkarten einzuwerfen. Auf den Bergkamm von 280 Metern geht es steil bergauf. Den einen wanderfreien Tag merke ich jetzt in meinen Beinen. Einer weiteren Teilnehmerin aus der Gruppe geht es ähnlich, nur weit aus schlimmer: ihr Bein streikt an diesem Tag. Reiseleiter Thomas versucht sein Bestes, um den Krampf aus ihrer Wade zu lösen und ihr Mut für den Rest der Tour zu machen. Kurzer Hand und ohne lange zu überlegen, bieten weitere Gruppenmitglieder ihrer Hilfe an und tragen den Rucksack abwechselnd bis zur Endstation in Waterville. Auf dem Bergkamm geht es schnurstracks geradeaus, parallel zum im Tal fließenden River Inny, immer wieder mit großartiger Sicht über die Atlantikküste und den Lough Currane. Auf unserer Reise sind wir auch öfter auf einheimische Tiere gestoßen. So auch an diesem Tag. Beim Abstieg des Berges und auf dem Weg nach Waterville laufen wir zunächst quer über eine Schafswiese, als uns mittendrin ein Pferd neugierig anschaut. Doch nicht genug, wenige Meter weiter bleibt ein Teil der Gruppe unsicher stehen bis Reiseleiter Thomas eintrifft. Der Grund: eine Herde Bullen steht mitten auf unserem Weg. Während wir Pläne schmieden wie wir dieser bedrohlichen Situation entkommen könnten, hat Thomas die Lösung: „Einfach zusammen durchlaufen. Los!“ Uns bleibt nichts anderes übrig als ihm zu folgen, und zwar zügig. Nach diesem kleinen Abenteuer begrüßt uns, diesmal freudig, ein weiterer Einheimischer. Aus einem Haus am Wegesrand kommt ein fröhlich wedelnder Golden Retriever angedackelt und gibt uns schnell zu verstehen, dass wir ihn kraulen sollen. In Waterville angekommen, setzt sich das Hundespielchen an der Promenade fort. Die Zeit bis zum Abendessen in dem urigen Strandhotel nutzen wir alle unterschiedlich. Ich spaziere dem Sonnenuntergang entgegen auf den Spuren Charlie Chaplins, der zu Lebzeiten gerne und oft seine Urlaube in dem Städtchen verbrachte. Ich kann ihn sehr gut verstehen…

Charlie Chaplin in Waterville, Foto: daclue
Foto: daclue
Foto: daclue
Esel auf Great Blasket, Foto: daclue

5. Tag: Von Waterville nach Caherdaniel auf dem Kerry Way

Highlights: Waterville, Caherdaniel, Kerry Way, Ring of Kerry, Coomakista, Derrynane, Derrynane Bay, Derrynane Hotel

Ein letztes Mal wechseln wir die Unterkunft und wandern heute dem Derrynane Hotel entgegen, der gleichzeitig letzten Station unserer Tour. Das Gepäck wird wieder separat transportiert, so dass wir erneut nur mit einem leichten Tagesrucksack laufen können. Trotz des Regens in der Nacht breitet sich am Vormittag erneut die Sonne aus. Bevor wir auf den Kerry Way einsteigen, besichtigen wir noch ein historisches Steinfort und lassen uns von Reiseleiter Thomas die Geschichte der Kartoffelpest erzählen. Nachdenklich über das irische Volk, das immer wieder Niederlagen erlebt hat, staune ich über die eindrucksvolle Landschaft, in der diese Niederlagen unter anderem stattgefunden haben. Welch ein Kontrast. Während Autos und Busse den Berg auf dem „Ring of Kerry“ umrunden, erklimmen wir ihn auf direktem Weg. Oben an der Straße angekommen, teilt sich unsere Gruppe, bis zum nächsten Stopp am Café. Ich gehe auf der etwas leichteren Strecke, an der Straße entlang und erlebe für einen Moment wie es ist Bustourist zu sein. Auf dem Parkplatz bei Coomakista bietet sich ein traumhafter Blick über die Derrynane Bay. Im Unterschied zu denen, die hier nur kurz für ein Foto anhalten, weiß ich, dass wir bis nach unten zu dieser Bucht wandern und den weißen Sand berühren werden. Ein schönes Gefühl. Nach unserer Mittagspause treten wir den Weg zur Derrynane Bay dann auch an. Reiseleiter Thomas war zuvor auch noch nicht an diesem Ort und ist um so mehr froh, als er den Einstieg dahin findet. Somit laufen wir ein weitaus schöneres Stück als über den üblich geplanten Kerry Way, was unsere heutige Strecke jedoch auf etwa 20 km anhebt, wie sich später herausstellt. Als wir die Derrynane Bay erreichen wird mir schnell klar: das ist mein persönlicher Favorit auf unserer Tour! So eine einzigartige Bucht habe ich bisher noch nicht gesehen. Je weiter wir laufen, desto mehr verwinkelte Buchten, Strände und kleine Häfen entdecken wir. Das Wasser leuchtet in unterschiedlichen Farbtönen von hellem Türkis bis dunklem Blau. An einem der Strände mit angrenzendem Friedhof, auf dem die alte Kirche von Caherdaniel steht, halten wir für eine kurze Pause an. Mehr als eine ¾ Stunde bleibt uns leider nicht, da wir zeitig zum Abendessen im Hotel sein müssen und noch etwa eine Stunde Fußmarsch vor uns liegt. Umso intensiver versuche ich diesen Moment festzuhalten und knipse ein Foto nach dem anderen. Doch es nützt alles nichts, wir müssen weiter. Aber ich verspreche mir selbst hierher ein anderes Mal wiederzukommen.


6. Tag: Wanderung hoch zum Eagles Hill

Highlights: Caherdaniel, Eagles Nest, Eagles Hill, Sugarshak Cakery

Ein letztes Mal den Tagesrucksack packen, die Schuhe festschnüren und Wanderluft schnuppern. Zum Abschluss unserer Wandertour geht es noch einmal hoch hinaus zum Egales Hill auf etwa 550 Höhenmeter. Wir starten direkt vom Hotel aus und kaufen im lokalen Shop in Caherdaniel ein, der sich als wahres Sammelsurium entpuppt. Wie in einer Art Tante Emma Laden findet man hier zwischen regionalem Gemüse, frischen Croissants und Olivenöl Sonnencreme, Postkarten und vielerlei weiteren Schnickschnack. An der Hauptkreuzung in Caherdaniel steigen wir ein in den Wanderweg, einem alten Butter Weg. Schwer vorzustellen, dass hier Butter von Ort zu Ort transportiert wurde, so steil und steinig geht es bergauf. Gleich zu Anfang steigen wir über eine doppelseitige Leiter, welche wiederrum über ein Tor ragt, was wir im Laufe der Tour noch einige Male machen werden. Die Tore und Zäune grenzen die freilaufenden Schafe ein. Als würde hier nie eine Menschenseele vorbei laufen, blicken sie uns immer wieder überrascht an. Zücken wir schnell genug unsere Kameras, kriegen wir im besten Fall diesen Moment der Verwunderung auf ein Foto; im schlechtesten Fall eben nur ein Schaf von hinten. Noch einmal in diesem Jahr blüht der Ginster soweit das Auge reicht, ganz so wie im Frühjahr. Zum Berg hin löst sich der Wanderweg immer mehr auf, so dass wir ihn fast selbst bestimmen müssen. Auf den Berg soll es gehen, doch ist der Einstieg nicht ganz klar. Schließlich erklimmen wir den Berg mal direkt geradeaus, mal im Zickzack, je nachdem was die persönliche Kondition hergibt. Ich laufe im Zickzack und ganz hinten. Entsprechend schlecht ist meine Laune… heute macht das Bergsteigen nicht so viel Spaß. Auch das Wetter kann meine Laune in diesem Moment nicht heben: mal scheint die Sonne, mal nieselt es, durchweg weht ein kräftiger Wind. Es bleibt mir nichts anderes übrig als die Zähne zusammenzubeißen, auf den Boden zu schauen und mein eigens Lauftempo zu finden. Kaum bin ich drin, bin ich auch schon oben. Die weite Sicht, kurz unter den Wolken, ist die Belohnung. Bis hin zur Derrynane Bay und den weißen Stränden kann man blicken, was mich wieder fröhlicher stimmt. Auf dem Weg nach unten finden wir eine etwas windstillere Nische für unsere Mittagspause. Wie abgesprochen kommt dann auch wieder die Sonne raus, was mich prompt in einen Mittagsschlaf fallen lässt. Auch das letzte Stück Weg laufen wir zügig, mittlerweile in einem gut eingespielten Gruppentempo. Angekommen in Caherdaniel, gönnen wir uns zum Abschluss unserer letzten Wanderung ein köstliches Stück selbstgebackenen Kuchen samt Kaffee in der Sugarshak Cakery. Idyllisch sitzen wir unter großen Bäumen am Wegesrand, schlürfen Mocca und essen Carrotcake mit Cream. Kann es einen süßeren Abschluss für eine anstrengende Wandertour geben?

Wandern in Kerry
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